|
Zwangsarbeiter
und Kriegsgefangene im Dritten Reich - auch i. Heuchlingen
....
Zwangsarbeiter
ist nicht gleich Zwangsarbeiter -
Zwangsarbeiterklassen. .
Die Menschen aus den Ostgebieten wurden nach ihrer Herkunft bewertet.
Als Angehörige von "Arbeitsvölkern" wurden die ausländischen
Arbeitskräfte gegenüber
den deutschen "Herrenmenschen" durch zahlreiche
Bestimmungen deklassiert und entrechtet. Dabei zeigte die unterschiedliche
Behandlung der verschiedenen Nationen ein hierarchisches System,
bei dem die Zwangsarbeiter
und - Arbeiterinnen aus der Sowjetunion auf der untersten Stufe standen,
gefolgt von den Polen
und Polinnen.
Oben in der Bewertungsstufe des "Reichseinsatzes" standen
die Tschechen, die als Bewohner des "Protektorats Böhmen
u. Mähren" 1939 zu Inländer (zweiter Klasse) erklärt
wurden. Da die Meldung von Freiwilligen auch
dort nicht das gewünschte Ausmaß erreichte, gingen die deutschen
Besatzer schon 1939 zu Zwangsmaßnahmen über.
Einen Sonderstatus hatten auch Arbeitskräfte aus der
Ukraine und den baltischen Staaten. Offensichtlich wurde mit den
dortigen Behörden ein Sonderstatus ausgehandelt.
So erfuhren die ukrainischen Landarbeiterinnen eine verhältnismassig
großzügige Reisefreiheit und Urlaubsgewährung zum Besuch ihrer Angehörigen
in der Heimat- wie es am Beispiel der Ukrainerin Rusin Anna - s. Arbeitsbuch
332/001849 A.B. zu sehen ist.
.
Auf der untersten
Stufe standen, wie schon erwähnt, die Russen, gefolgt
von den Polen.
Polnische Arbeitskräfte
.
Da eine "rassische Erkennung / Unterscheidung" der
Million Polen und Polinnen nicht möglich war, mussten sich alle Arbeitskräfte
aus Polen ein auf gelbem Untergrund aufgedruckten "P",
welches gut sichtbar auf der Kleidung
fest angebracht werden musste, kennzeichnen. Damit waren die polnischen
Arbeiter und Arbeiterinnen die erste Gruppe, die durch diese Art der Kennzeichnung
gebrandmarkt wurden. Das "P" Abzeichen stigmatisierte sie noch
vor Einführung des Judensterns.
Darüber hinaus
sollte jeglicher soziale Kontakt zwischen Polen und Polinnen und
der deutschen Bevölkerung unterbunden werden.
In einschlägigen Verordnungen hieß es: ... wenn
es nicht zu vermeiden ist, dass sie mit Euch unter einem Dach wohnen,
dann bringt sie so unter, dass jede engere Berührung mit Eurer Familie
ausgeschlossen ist" - "Deutsche, seid zu stolz, Euch mit
Polen einzulassen…. " . Zit.
N. J. August: Erinnern an Deutschland. Berlin 1986; U. Herbert: Fremdarbeiter.
Berlin/Bonn 1985)
So
wurden auch
die Bauern kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe dazu angehalten,
ihre polnischen Arbeitskräfte getrennt vom übrigen Gesinde unterzubringen
und sie auch bei den Mahlzeiten zu separieren.
Um sexuelle Beziehungen zwischen Polen und deutschen Frauen
zu unterbinden, wurde das Reichsarbeitsministerium aufgefordert, dafür
Sorge zu tragen, dass ebenso viele polnische Frauen wie Männer in
einer Region zum Arbeitseinsatz kämen.
Schwangerschaften blieben natürlich nicht aus --- wie
auch?
Schwangere Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion wurden
ab 1943 zur Abtreibung genötigt oder mussten ihre Kinder in Entbindungsbaracken
zur Welt bringen. Nach wenigen Tagen hatten sie an ihre Arbeitsstätten
zurückzukehren. Die Babys blieben in den Baracken zurück, oder
wurden in Säuglingslagern untergebracht.
Im NS - Sprachgebrauch wurden die Säuglingssammellager hochtrabend
"Ausländerkinderpflegestätte"
genannt. Diese
dunkle Geschichten sind in einem separaten Abschnitt kurz ausgeleuchtet -- s. dort.

Bild: tschechischer
Junge auf einem deutsch. Bauernhof
Erträgliches
Los
in der Landwirtschaft.
Die überwiegend deportierten Zivilarbeiter - viele von ihnen waren
Jugendliche- und etwa 1,7 Mill. polnische Kriegsgefangene wurden vor
allem in der Landwirtschaft eingesetzt, was ihr Los noch halbwegs
erträglich machte.
.
.
.
.
Ostarbeiter allgemein.

Seit Frühjahr 1942 bildeten die insgesamt fast 2,8 Mill. "Ostarbeiter"
die größte Einzelgruppe ausländischer Zwangsarbeiter im Reich.
Sie kamen etwa zur Hälfte aus der Ukraine, zu einem Drittel aus Russland
und einem Sechstel aus Weißrussland. --- Nur ein sehr geringer Teil
davon ging freiwillig nach Deutschland. Den deutschen "Werbern"
schlug dort schon bald offene Ablehnung entgegen.
Ganze Jahrgänge im Jugendalter wurden in Güterwagen zum Arbeitseinsatz
ins Reich geschickt. Dort wartete, für einen geringen Lohn, harte
Arbeit, z.B. in der Industrie. Hinzu traten schlechte Ernährung -
Kleidung - und Unterkünfte. Alle Ostarbeiter mussten sich durch das
Tragen eines "Ost"- Abzeichen und einer Nr. kennzeichnen.
In den Betrieben wurden viele von ihnen über Jahre nur mit ihrer Nummer
angesprochen.
.
Einsatz von Kriegsgefangenen.
Mit Fortdauer des Krieges kamen jetzt
auch immer mehr Kriegsgefangene als Arbeitskräfte im Reich zum Einsatz.
Die polnischen Kriegsgefangenen. wurden schon nach einigen Monaten
bis auf wenige Tausend in den Zivilstatus überführt, ebenso die Niederländer.
Dann arbeiteten bis zu 1,3 Mill. französische Kriegsgefangene zeitweise
in der deutschen Wirtschaft. 90 000 wurden gegen französische Zivilarbeiter
ausgetauscht. Ca. 220 000 wählten die Möglichkeit, durch Überführung
in den Zivilstatus mehr Geld zu verdienen - handelten
sich in der Heimat dadurch aber den Vorwurf der Kollaboration ein.
Sowjetische Kriegsgefangene wurden in den ersten Monaten nach
dem Russlandfeldzug im Juni 1941 nur sehr selten im Reichsgebiet eingesetzt.
Über 2 Mill. ließ die Wehrmacht verhungern. Erst Ende Okt.
1941 erfolgte dann der Einsatz im Reich, vorzugsweise im Bergbau -
etwa die Hälfte von ihnen starb.
Ein etwas besseres Schicksal als die
Sowjets erlitten die etwa 500 000 italienischen "Militärinternierten"
nach dem Spätsommer 1943.
Qu.: aus div. Literatur, I.net. usw.
....
zurück
z. Navigation -- oder direkt weiter zu Zwangsarb.
u. Kriegsgef. in Hchl. - Abschnitt c
|