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Zwangsarbeiter
und Kriegsgefangene im Dritten
Reich - auch i. Heuchl. - c
A) Zwangsarbeiter
in Heuchlingen.
Im Einwohnermeldeamt Heuchlingen
liegen ein "Zugangs- und Abgangsbuch zur Meldekartothek"
vor. In diesen Büchern sind die Zuzüge/Abgänge aller -also auch deutsche,
Personen nach Heuchlingen, bzw. deren Wegzug, im Zeitraum von 1929
bis 1946 erfasst.
Im Zugangsbuch finden sich ca. 43 Zwangsarbeiter aus verschiedenen östlichen Ländern, die in
landwirtschaftlichen Anwesen in Heuchlingen Dienst taten. 1940 werden
6 Pers., 1941 = 2, 1942 = 17, 1946 = 6, 1944 = 5 und 1945 = 7 Personen
als Zugänge gemeldet. Bei dem
genannten Personenkreis handelte es sich ausschließlich um Ostarbeiter
aus Russland, Polen, der Ukraine u. Weißrussland. In den Akten
- "Fremdarbeiter" lassen sich nach einer Auswertung
ca. 60 Zwangsarbeiter
in Heuchlingen festmachen. Auch hier sind bei einem Teil der aufgeführten
Personen die Einsatzorte nicht vermerkt - siehe auch im Anhang.
.........
Arbeitseinsatz v. Fremdarbeitern -
hier insbesonders polnische
Arbeiter / Innen.
Der Einsatz von Fremdarbeitern war
streng geregelt. Alle Personen mussten ihre
(gelben) Arbeitskarten ständig
bei sich führen. An der Arbeitskleidung musste, wie schon erwähnt, das Polenzeichen "P" fest angenäht sein. Der Gemeindebezirk
durfte nur mit schriftlicher Genehmigung des Arbeitgebers - nach deren
Vorlage bei Meldebehörde - und in dringenden Fällen erlaubt werden
- z.B. Arztbesuche, Besuch von Verwandten auf anderen Arbeitsstellen
u.a. Wurde der Arbeitsplatz aus persönlichen Gründen - Arbeitsunlust
usw. verlassen, hatte die Ortspolizeibehörde unverzüglich die Staatspolizeileitstelle
zu unterrichten.
Sonderregelungen
Es
bestanden zahlreiche Sonderregelungen, z.B. wie die für kirchliche
Angelegenheiten. "Polnische Zivilarbeiter dürfen (außer
an hohen Festtagen) nur am ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr
seelsorgerisch betreut werden"
Geschlechtsverkehr zwischen Deutschen und Fremdarbeitern
war strengstens untersagt und wurde schwer bestraft. (in
der Praxis hier - naturgemäß - besonders die Fremdarbeiter)
Malzeiten. Hinsichtlich der gemeinsamen
Malzeiten bestand die Vorschrift, dass Fremdarbeiter nicht am gemeinsamen
Tisch mit den deutschen Menschen, sondern an getrennten Tischen
oder Räumen ihre Malzeiten einzunehmen hatten.
Unterbringung (hier besonders Fremdarbeiter aus altsowjetischen
Gebieten)
In kleineren landwirtschaftlichen Betrieben, in
denen der Einzeleinsatz gestattet war, galt für Arbeitskräfte
aus "altsowjetischen
Gebieten" (also Russen)
die Sonderregelung, dass die
Unterbringung in fest verschließ- und überwachbaren Einzelunterkünften
gestattet werden kann.
(üblich war
die Lagerunterbringung) Auch Polnische
Arbeitskräfte sollten
auf jeden Fall getrennt von den deutschen Bewohnern untergebracht
sein.

.
Bild: Fremdarbeiter b. d. Heuernte
.
.
.
Arbeitsplatzwechsel. Die
Zuteilung oder Änderung der Arbeitsplätze von Fremdarbeitern erfolgte
nur nach Genehmigung der Gemeindebehörde. Der Tausch nach Absprache
der Arbeitgeber untereinander oder mit den Fremdarbeitern selbst war
untersagt.
Die Praxis.
Bei der Sichtung der Aktenmappe - sofern
vollständig, zeigte sich, dass die genannten u. ungenannten Vorschriften
-auch in Heuchlingen- pragmatisch gehandhabt wurden. So erfolgten
die Wechsel einzelner Fremdarbeiter auf den verschiedenen Anwesen
oder deren Tausch scheinbar oft ungeordnet. Auch in der Frage der
getrennten Unterbringung - es fehlten oft die erford.
Räumlichkeiten- oder der vorgeschriebenen getrennten Malzeiten,
entschieden die Gegebenheiten - wobei hier sehr wohl Unterschiede
bei den einzelnen Anwesen zu sehen sind. Diese, nicht selten laxe Befolgung
der einschlägigen Erlasse, kommt dann auch in scharfen Stellungnahmen
der Reichsführer immer wieder zum Ausdruck.
Am Ende – Rache .
Nach
Ende des Krieges herrschte unter den
Fremdarbeiter für einige Zeit eine gewisse
Gesetzlosigkeit. Sehr schnell folgten nun auch in unserem Dorf
nächtliche Plünderungen durch Polen und Russen, vor allem aber in
den umliegenden Gehöften, Widerstand war nicht selten lebensgefährlich.
--- Diese Geschichten
ist in einem separaten Artikel näher beleuchtet.
............. …………….. ………………
Kriegsgefangene in Heuchlingen
--
Zeitzeugenwissen.
In Heuchlingen
waren nur französische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz. .
Ihr
erste Unterbringung: Nach dem sogen. Blitzkrieg gegen Frankreich
1940, wurde im Schloss für die nach Hchl. zugeteilten Kriegsgefangenen
ein Gefangenenlager mit einer Kommandantur eingerichtet. Zur Einrichtung
einer solchen
Kommandantur
war eine Mindestgröße von 10 im Ort eingesetzten
Kriegsgefangene notwendig. Bei Unterschreitung drohte die Auflösung
des Lagers.
Zeitzeugen wissen noch von 5 Franzosen in
Holzleuten, 2 Franzosen auf dem Mäderhof,
1
Franzose auf dem Riedhof und 3 - 4 Franzosen in Heuchlingen.
Diese Angaben würden i. d. Summe 11 bis 12 Kriegsgefangene
für Heuchlingen ergeben.
Die amtlichen Zahlen hierzu.
Anlässlich einer polizeilichen Verfügung vom
Aug. 1941 zur Benutzung von Fahrrädern durch Kriegsgefangene, wurden
13 Arbeitgeber in Heuchlingen,
bei denen Kriegsgefangene im Einsatz waren, von dieser Verfügung in
Kenntnis gesetzt. Allerdings sind die zugeteilten Kriegsgefangenen namentlich nicht vermerkt.
Die
Aktenlage.
Über
die Anzahl der Kriegsgefangen
in Heuchlingen gibt die Aktenlage folgendes Bild:
< nach einer Auflistg. in den Bmstr. Rechng. v. 1940 beträgt
die Anzahl der K. Gefangenen v. 7.Juli 1940 bis 28.Febr. 1941 in Hchl.
11 Mann. Diese 11 Mann wurden von 11 Landwirten ständig
beschäftigt -
Auflistung. aus Bm. Rn. 1940
< Am 28.4.1941 beträgt die Iststärke nur noch 8 Mann. Die
sofortige Auffüllung
auf die Mindestgröße von 10 Mann wird angemahnt. .
< am 28.5.1941 erfolgt eine Mitteilung, dass in Kürze 4
Mann zugewiesen werden
< am 12.6.1941 erfolgt dann eine Meldung über die Zuweisung von
2 weiteren Kriegsgefangenen. Im Zeitraum von Nov. 40 bis Juni
41 waren also 17 Kriegsgefangene in Heuchlingen eingesetzt.
Wie lange nun - zeitlich gesehen - französische Kr. Gef. im Ort eigesetzt waren, geht aus der spärlichen Aktenlage
nicht hervor.
Die Namen der
Kriegsgefangenen und ihre Arbeitsstellen in Heuchlingen
In den (derzeit) vorhandenen Akten sind nur
6 französische Kr. Gefangene namentlich und 1 Gefangener mit
seiner Gefangennummer vermerkt. Nur bei 4 Gefangenen ist
hierbei ein Arbeitgeber namentlich zugeordnet.
Etwas zum Verdienst
und Verpflegung
.
Die in der
Landwirtschaft eingesetzten Kriegsgefangenen hatten Anspruch auf einen
monatlichen Lohn von 54.- Reichsmark -
Für die Verpflegung der Gefangenen musste der jeweilige Arbeitgeber
aufkommen.
................
Unterbringung
und Bewachung - was wissen Zeitzeugen?
Gefangenenlager im Schloß.
Wie ob. schon erwähnt, wurde nach dem sogenannten Blitzkrieg
gegen Frankreich im Jahr 1940 für die nach Hchl. zugeteilten Kriegsgefangenen
im Schloss ein Gefangenenlager mit einer Kommandantur eingerichtet.
Nach Bruno
Bihlmaier oblag die Überwachung der Kriegsgefangene zu Beginn der
ersten Internierungen einem Wachmann der Wehrmacht.
Für den *Wachmann wurde im Haus des Dorfbüttels Xaver Bihlmaier- es
lag in unmittelbarer Nähe beim Schloss, ein Wachzimmer eingerichtet
und mit einer eigens vom Schloss zum Wachzimmer des Hauses verlegten
Alarmleitung versehen .
Hans Bihlmaier sieht seinen *Vater als den ersten Bewacher,
dann erst den Wachsoldaten.
Hedwig Waidmann, geb. Stäb v. Hlzl., spricht hier von einem
*Wachsoldaten.
Der Aktenlage nach hatten sowohl ein Wachsoldaten,
als auch Xaver Bihlmaier und weitere Hilfswachmänner die Überwachung
der Gefangenen inne. Zum Thema "Wachmann" gibt es auch die
Aussage v. Karl Hirth in Hlzl: ...... dass
sein Vater des Öfteren am Abend die Gruppe der Soldaten von Hlzl.
nach Heuchlingen ins Schloss abgeführt hat.
Ein Zeitfenster: Hedwig. Waidmann legt das Zeitfenster des Geschehens
auf etwa 1943 / 44. Eventuell. ist dieses Fenster besser auf etwa
1940 bis 1942 oder noch etwas früher festzulegen. Siehe hier auch
Anmerkung: b. Max Vogt i. Hlzl.
Gang der Kriegsgefangenen
zu ihrer Arbeitsstelle. .
Die Kriegsgefangenen wurden auf verschiedenen
Hofanwesen in Holzleuten, Riedhof, Mäderhof, Brackwang und Heuchlingen
als Arbeitskraft eingesetzt. Hierzu führte der Wachmann in der Frühe
die Gefangenen in Gruppen, oder Einzeln, den bestimmten Anwesen zu.
Das Ganze wiederholte sich gegen Abend in umgekehrter Reihenfolge.
Die Männer
wurden abgeholt und die Nacht über im Schloss eingeschlossen.
Anton Knödler hat noch gut vor Augen, wie der Xaver Bihlmaler
in Uniform und mit umge-hängtem glänzenden "Säbel"
(so Anton) die Gefangenen
an ihre Arbeitsstellen führte. Das Jahresdatum kann er nicht mehr
festlegen. *Anmerkung hierzu: X. Bihlmaier war amtlich bestallter
Wachmann und war ganz sicher mit einer Schusswaffe - Gewehr oder Pistole,
ausgerüstet - nicht mit "Säbel"
Hedwig Waidmann sieht noch einen Wachsoldaten - es war ein kleinerer
untersetzter Mann, mit umgehängtem Gewehr hinter den Gefangenen hergehen.
Auffallend für alle in Bewohner in Holzleuten war dabei die sehr späte
Zustellung der Gefangenen gegen 8 Uhr oder später und die wiederum
sehr frühe Abholung derselben gegen 17:00, oder 17:30 Uhr.
so Hedwig W.
Regeln zur Bewachung waren am Anfang recht streng, wurden später
dann etwas gelockert. Das führte soweit, dass die Gefangenen nun teilweise
selbständig ihre Arbeitsstelle aufgesucht haben.
.............................
Gottesdienst
für die Kriegsgefangenen
Linus Wagner, 1928 - 1942 Pfarrer
in Hchl.,
hielt einmal im Monat mit den französischen Kriegsgefangenen am Marienaltar
einen Sonntagsgottesdienst. Oft wurde dabei auch das "Lourdes-Lied"
gesungen. Die Soldaten haben nach den Erinnerungen sehr schön und
ergreifend gesungen. Besonders "Jean"- der bei J. Ilg, d. "Kolba-
Done" eingesetzt war, ist mit seiner schönen Stimme noch in guter
Erinnerung. Anton Knödler durfte bei diesen Gottesdiensten des Öfteren
als Messdiener mit dabei sein.
Abzug der französischen Gefangenen
- aus Zeitzeugenaussagen.
Die gefangenen Franzosen hatten einmal
den Wunsch geäußert eine kleine Feier zu abzuhalten – ob Nationalfeiertag
od. Weihnachtsfeier ist nicht bekannt. Hierzu wurde von ihren Bauern kleine Geschenke
und wohl auch Getränke und Essbares gesammelt und den Soldaten überreicht.
Aug. Haas v. Mäderhof hatte davon Wind bekommen und die Sache zur
Anzeige gebracht. Die Gefangenen wurden daraufhin abgezogen und in
andere Lager und Arbeitsstellen verlegt. - Rudolf Schmid erwähnt hier
Obergröningen als neues Gefangenenlager. Der Wachsoldat wurde angeblich
an die Front versetzt. Leider sind über all die gemachten Aussagen
keine genauen zeitlichen Vorstellungen mehr vorhanden. Qu. O. u. R. Schmid.
.....
Geschichte der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen auf den einzelnen
Anwesen in Heuchlingen - s. gesond. Abschnitt
In gesondert ausgearbeiteten
Einzelobjekten wir hier versucht, die Geschichte der Zwangsarbeiter
und Kriegsgefangenen in Heuchlingen näher anzugehen. Die Geschichten
beruhen überwiegend auf noch vorhandenem Wissen von Zeitzeugen.
Quellen: verschiedene
Gemeindeakten, ergänzt durch kurze Auszüge diverser Beiträge im Internet,
wie: "Damals-Zwangsarbeiter im Dritten Reich, Nr. 2/2000, S.
35ff, v. Mark Spoerer* und Internet-Beitrag von "Birgit Maas,
Berlin°.
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