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Joseph
Ohnewald, Komponist, Bürger und Krämer und Bauer in Heuchlingen. Joseph
Ohnewald wurde 1781 in
Heuchlingen geboren. Sein Vater war der Bürger und Krämer Melchior Ohnewald.
Josef zeigte schon als Schüler große musikalische Begabungen. Man schickte
ihn deshalb auch auf das Seminar St. Josef in Augsburg, (auch Günzburg wird
genannt) eine 1661 durch den Jesuitenorden gegründete, exzellente
Pflegestätte der Musik. 1804 wurde er dort auch als "Theologiestudent mit Musikkenntnissen" aufgeführt für Violine, Orgel, Klavier und Komposition. Mit dem Druck seines op. 1 hatte er sich bereits 1804 ("hoc tempore rhetorices secundae studiosi") einen Namen gemacht. Seine Puplikationstätigkeit beim Verlag Lotter in Augsburg ist bis 1833 nachweisbar. Wohl auch der politischen Verhältnisse (Napoleonische Kriegswirren) wegen kam Ohnewald um 1810 zurück in seinen Heimatort Heuchlingen. .... Von
hier, seinem Heimatort Heuchlingen aus, bemühte sich Josef Ohnewald sogleich
rastlos um
die Kirchenmusik auf dem Lande.
Durch
unentgeltlichen Unterricht
tauglicher Knaben, Jünglinge und Mädchen versuchte er den Kirchengesang und
die Kirchenmusik zu erheben. Die hier im Ort seit 1763 belegte Figuralmusik
brachte er dann durch die gezielte Anschaffung von Instrumenten auf einen
außergewöhnlichen Stand. Zur
Vorbereitung des ersten Orgelbuches der
1828 errichteten Diözese Rottenburg, war er an der Sammlung und
Harmonisierung kirchlicher Volksmelodien beteiligt. . Verbreitung
der musikalischen Werke Ohnewalds: Die Werke Ohnewalds fanden die gleiche Verbreitung wie die des
Ellwangers J. M. Dreyer. Sie finden sich in zahlreichen Archiven und
kirchlichen Bibliotheken in Belgien, Holland, der Schweiz, Österreich, Polen,
den Donauländern und in USA (siehe hier Archivauszug im Anhang). Interne
Recherchen ergaben mehr als 350 musikalische Fundstücke im genannten
Verbreitungsraum. "Seine Kompositionen wurden übrigens, wie
die von Dreyer, aber auch die v. Bühler, Haydn und anderen bekannten
Komponisten aus jener Zeit von den "Cäcilianern" abgelehnt". Qu:
Auszüge aus einer Überarbeitung von Herrn Prof. Dr. Ullrich. „Musikalische
Arbeitsstätten Joseph Ohnewalds“. An
welchen Orten Joseph Ohnewald seine musikalischen Werke nach seiner
Rückkehr nach Heuchlingen geschrieben hat?
Sicher wird ein Teil dieser Arbeiten an der Orgel in seinem Heimatort
entstanden sein. Vermuten kann man auch, dass er an der Orgel in der "Patriziuskirche in Hohenstadt einen ruhigen Ort fand, wo
er ungestört arbeiten konnte. Davon zeugen zahlreichen Notenfunde von
Eigenkompositionen und Bearbeitungen von Bühler-
Werken, die zwischen Schutt und Gerümpel unter dem dortigen Kirchendach
gefunden wurden. . Die schulische
Bildung jener Zeit war, insbesondere auf dem Lande, den kirchlichen Einrichtungen
übertragen. Die Dorfkinder gingen bis ins 19. Jh. hinein vorwiegend im Winter
zur Schule, da sie im Sommer in der Landwirtschaft oder im Gewerbe des Vaters
mithelfen mussten. Dabei schlummerte auch unter den Dorfkindern die eine oder
andere Begabung. Hier war es dann nicht selten der Dorfpfarrer, der solche Fähigkeiten erkannte und diese in privaten Lehrstunden erschloss und ergänzte, um diese Schüler zur Aufnahme in eine höhere Bildungsanstalt zu befähigen. Interesse
von Seiten der Kirche an begabtem Nachwuchs für den Kirchendienst. Es
war nun in jener
Zeit üblich, dass Inspektoren aus Klöstern und Diözesen das Land bereisten,
um nach talentierten Jungen Ausschau zu halten. Später waren es amtliche
Schulinspektoren – in der Regel Pfarrer, die regelmäßig sogenannte
Schulvisitationen durchführten. Man muss dabei noch berücksichtigen, dass zur
damaligen Zeit auch sehr begabte
Buben und Jünglinge nicht so ohne weiteres studieren konnten, ohne
einflussreiche Gönner und Förderer zu haben. Nicht zu vergessen auch der
gesellschaftliche Status, der hierbei vorausgesetzt wurde. Die
einzige Möglichkeit,
die dem einfachen Menschen zu der Zeit übrigblieb, war, sich in die Obhut der
Kirche zu begeben und sich deren Idealen und Lebensführung zu beugen. Wohl
die weitaus meisten Dorfbewohner,
die in jener Zeit studierten, wurden entweder Pfarrer oder Lehrer auf höheren
Schulen, Klöstern oder anderen kirchlichen Einrichtungen. Es ist daher anzunehmen,
dass auch für Joseph Ohnewald diese Regeln galten. Leider finden sich in den
Pfarrbüchern keine Hinweise über eine besondere Begabung und Förderung des
Knaben Joseph Ohnewald. Diese
Suche nach begabten Schülern hatte auch durchaus Erfolg. Das zeigt
sich auch an den heute noch bekannten Kirchenkomponisten aus der Region
im 17. bis 19. Jh. - genannt seien hier nur: Johann
Mauritius Schmid, 1715 - 1770, aus Westhausen; Johann Melchior Dreyer, 1747 - 1824, aus Röttingen; Franz Bühler, 1769 - 1823, aus Unterschneidheim
u.a. und eben auch an Joseph
Ohnewald, 1781 - 1856, aus Heuchlingen. Joseph
Ohnewald ist zurückgekehrt
- Übernahme des väterlichen
Krämergeschäfts - Einsatz
für seine Gemeinde, die
Kirche und Schule und dazu auch „Kleinbauer“ mit
~ 15 Mrg. Land. In
der Ortschronik von Heuchlingen ist hierzu vermerkt: "Ohnewald
war ein begabter und federgewandter Mann, dem man seine Studien wohl anmerkt. Als scharfer
Beobachter mit sicherem Urteil, wurde er 1817 in seiner Gemeinde als Acciser
bestellt. Als solcher hatte er die staatlichen Steuern in und um Heuchlingen
zu überwachen. Im selben Jahr wurde er zudem noch zum Gemeindepfleger
gewählt. Als Gemeindepfleger oblag ihm auch die Organisation und Versorgung
der Ortsarmen". So z.B. 1817 die Verteilung des angelieferten Getreides.
Dabei heißt es: "Als er mit der Glocke in der Kapelle das Zeichen zur
Verteilung gab, stürzte von allen Seiten die hungrige Bevölkerung mit Säcken
zum Verteilungsort. ..…" . Die
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse und die Not jener Jahre werden
von Josef Ohnewald in seinen Tagebuchaufschrieben geschildert. Danach
kann man diese Nöte aus heutiger Sicht nur als dramatisch bezeichnen.
Die Napoleonischen Kriege dauerten nun schon fast 20 Jahre. Die Dörfer
hier in der Region litten unter den Einquartierungen und Durchmärschen
verschiedener Truppen. Diese Truppen mussten mit Essen, Lebensmitteln,
Futter und Material versorgt werden. Die Häuser waren wiederholt mit
Söldnern und Offizieren stark belegt. Es geschahen Plünderungen und
körperliche Übergriffe. Getreidefelder und Dorfeinrichtungen wurden
verwüstet. 1796 heißt es z.B. "…. das Dorf wurde regelrecht ausgeplündert."
In den folgenden Jahren 1811-1817 verschlimmerte sich die Lage durch
Missernten und katastrophaler Wetterverhältnisse immer mehr. Josef
Ohnewald war noch viel stärker
– als die vor beschrieben Armenversorgung anzeigt-
in die Gemeindearbeit eingebunden, als die Quellen anzeigen. So
schreibt er
in seinen Tagebucheinträgen:
Der 10. November 1817 war kein angenehmer Tag für Heuchlingen. Die
Langsamkeit im Steuern, (int. lasche Steuereintreibung) verursachte
eine allgemeine Untersuchung in allen Oberämtern. Es wurde im Regierungsblatt
bekannt gemacht, dass kein *Bediensteter mehr eine Besoldung erhalte,
bis die Steuer- Reste würden eingetrieben sein …
Es
kamen daher am 10. Nov.
der Herr Oberamtmann und der Hr. Kameralamt-Aktuar
mit 2 Landreitern hierher und nahmen die Untersuchung vor. Wobei
jedoch der Bürgermeister das Geld einzog. Sie droheten mit Execution
(hier Abwicklung - Liquidation) Es gingen über 600 fl. an einem Tage
ein. Einige erhielten zwar Termine von 8 - 14 Tage. Anfang Martini 1817 (11. November)
legte Herr Schultheiß Trettner das Acciser-Amt freiwillig nieder, welches dann ich (Josef Ohnewald) erhielt.
Das heißt, Josef Ohnewald wurde vorübergehend auch das Amt des Schultheißen
übertragen.
(Intern hierzu
vermerkt: Zoller und Acciser hießen die Einnehmer von Branntwein-
und anderen Verbrauchssteuern. Johann Christian Trettner war von Jan.
1795 - 1833 Schultheiß in Hchl. Trettner, zuletzt auf dem Haus 32
auf dem Bergle. . Not
und Elend in der Gemeinde – eine schwierige Zeit für Josef Ohnewald. Josef
Ohnewald übernimmt nach dem
Tod seines Vaters Melchior Ohnewald im Jahr 1815 die kleine Landwirtschaft
und das Krämergeschäft auf dem Kirchbühl in Heuchlingen. ….
… …
Hierzu
sei jedoch
so viel angemerkt. Die Einlassungen zu dieser Bestandsaufnahme zeigen
sehr drastisch die Mühsal und Widerstände, die Ohnewald beim Aufbau
einer ordentlichen Kirchenmusik in Heuchlingen zu überwinden hatte.
Denn, was fand er nochmals bei seiner Rückkehr 1811 vor? --- 1 Orgel
- sie wurde 1762 v. Pf. Baumann auf eigene Rechnung angeschafft, aber
bereits 1766 etwas verbessert. 1 Violine aus dem Jahr 1795/96 und
die 1812 aus Ellwangen gelieferten, gebrauchten Instrumente. Davon
waren, mit Abstrichen, nur die beiden Pauken und das Violon brauchbar.
Im Juli 1815 überreichte er
dem Schulinspektor Pfarrer Vogt vom Schulinspektorat Hohenrechberg
in Oberbettringen das Ergebnis seiner Gedanken mit dem Titel "Vorschläge
zur Verbesserung der Kirchenmusik auf dem Lande, mit der höflichsten
Bitte um Prüfung und einer, so denn möglich, Weiterleitung an die
zuständige königliche Schulverwaltung". In diesen Vorschlägen
stellte Ohnewald drei Fragen: . Resignation? Anfang Januar 1824 wurde
die Kirchenmusik teils aus Undank einiger Schüler, teils wegen mangelnder
Unterstützung seitens des Stiftungsrates aufgelöst. Am 2. Januar legte Ohnewald die
Leitung nieder, worauf alles verlief. Später konnte er die Musikbetrieb wieder aufbauen. Im Kirchenkonventsprotokoll,
Abschn. 5 B, Pu.19, in 1830 heißt es dann: es ist ein
Sängerchor gebildet, "der aber izt auf 4 stimmige Gesänge einübt". Musikalische Nachkommen.
Joseph
selbst scheint seine musikalischen Talente an die Söhne und Enkel
weitervererbt zu haben. So wirkte noch sein Enkel Bernhard Vitus von
1875 bis 1901 als Musikalischer Direktor ebenfalls in Heuchlingen.
Dieser war dann auch Mitgründer des Liederkranzes im Jahr 1875. . Josef Ohnewald,
Landwirt – Erweiterung
und Vergrößerung trotz hoher Arbeitsbelastung. Stolz berichtet Josef O. in seinen
Tagebucheinträgen 1822: im Mai wurde meine Scheune aufgerichtet - im Juni berichtet er: heute habe ich
den ersten Wagen Heu in die neue Scheune eingefahren. Die
Größe des landwirtschaftlichen
Anwesen
auf dem Kirchberg zeigt sich gut bei dessen Übergabe an die Tochter
von Josef O. im Jahr 1854 (und d. spät. Betriebsnachfolger Johs.
Mezger). Im
August 1854 verkauft
Josef Ohnewald, 73 J. alt (+ Jan. 1856), an seine Tochter Veronika Ohnewald,
ledig, ein 1 stock. Wohnhaus mit einer 2 stock. Scheuer, ein 1 stockiges Wasch- u. Backhaus, 1 Schweinestall und Hofraum
auf dem Kirchbühl. Dabei sind 5/8 Mrg. Gärten
b. Haus u. ca. 15 Morgen
Wiesen u. Acker an 14 Stck. Alles zusammen
für die Summe von 2.500 fl. An Fahrnis
erhält der Käufer 8 Stck. Vieh und
sämtlich vorhandenes Futter, Frucht und alle Bauerngerätschaften. Der Käufer übernimmt die verpfändete Passiva in den hiesigen Unterpfandsbüchern i. Höhe von 200 fl.
Der Verkäufer behält sich die Führung des Kaufladens bis zu seinem
Ableben bevor. Der Verkäufer ist mit dem Fuhrwesen unentgeltlich zu
versorgen. . Josef Ohnewald
- Familienvater
- Krämer - Bauer - Kirchenmusiker - Komponist - Acciser und zeitweise
Bürgermeister - Tagebuchautor. (s. auch an anderer Stelle) Schwere
Schicksalsschläge.
Josef
Ohnewald heiratet 1814 Josefa Kuhn, die Tochter des "Dittenbauern"
an der Alten Mögglinger Straße.") --
1815 stirbt der Vater Melchior
Ohnewald. --- In den
Jahren 1814 bis 1819 meldet er 2 Knaben und 3 Mädchen zur Taufe. 1814 stirbt der erstgeborene
Sohn Hilarius 4 Wochen nach d. Geburt. -- 1820 kommt ein totgeborenes Knäblein
und 1821 ein totgeborenes Mädchen zur Welt. Bei
dieser Geburt 1821 stirbt auch die Mutter und Ehefrau. – Zurück
bleiben ein Vater mit 4 kleinen Kindern
(ein nur kleiner
Lichtblick blieb, die Mutter von Josef O als Stütze i. d. Fam.) . Geschäftsübergabe
– Generationenwechsel Johannes
Mezger, Bürger und Krämer,
geb. 1821, heiratet am 12.02.1855 Josef Ohnewald`s
Tochter Veronika, geb. 1816, + 1869. Im Okt. 1855 kommt ihr erster Sohn
Alphons zur Welt. Zusammen mit seiner
Ehefrau Veronika
führt Johannes Mezger fortan
u. nach
deren frühen Tod 1869, mit seinem Sohn Alphons bis
in die 1880er Jahre hinein den Krämerhandel auf dem Kirchberg. Anfang
der 1880er Jahre verkauft Johannes Mezger das Krämeranwesen auf dem
Kirchbühl und erbaut um die Jahre 1883- 1884, zusammen mit seinem
Sohn Alphons, mitten im Ort, an der Hauptstraße, ein neues Kaufhaus. |