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Eine große und lange
Krämergeschichte in Heuchlingen geht zu Ende -- |
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Eine Geschichte, die
um 1708 begann u. 2025 - nach also fast 320 Jahren- endet. |
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Tagespost – Mitteilung
am Do. 20. Dezember 2025 .
Über 5 Generationen hinweg versorgte die "Krämer- Familie Mezger" die Bewohner
von Heuchlingen und die der nahen und weiten Umgebung mit Nahrung,
Bekleidung, Gerätschaften und diversen Dienstleistungen. Am 20.12.2025 gingen die letzten Waren über das Band – Ausverkauf! ……….. Der Blick zurück zu den Wurzeln. Um zu den Wurzeln dieser langen und großen „Krämergeschichte in Heuchlingen“ zu
gelangen, muss man im Krämer- Zeitfenster von heute mehr als 300 Jahre
zurückblättern. Die Geschichte: Um die Jahrhundertwende v. 1690 bis 1706
betreibt der (verheiratete, ohne Bürgerrechte) Wanderkrämer Nicolaus Ohnewald auf der Frickenhofer Höhe, dem Kochertal, im Welzheimer
Wald und im Leintal seinen Krämerhandel. Daraufhin deuten Meldungen von Geburten: 1694 Geburt einer Magdalena in
Oberalfingen, Als Vater wird hier ein Nikolaus
Ohnewald, Vagi (Vagabund) und Mercator,
Herkunftswohnsitzt Kreuznach i. d. Pfalz genannt. 1695- man
beachte– meldet Nikolaus O. die Geburt
einer Eva i. d. Pfarrkirche (amt) Heuchlingen.
Von 1697 bis 1703 dann 4 Kinder,
geboren in Horn, meldet er in der zuständigen Pfarrei Leinzell. 1704
meldet er dort die Geburt eines
Josef -dessen Geburtsort nicht vermerkt ist. 1706 meldet Nikolaus O. wieder eine Geburt in Horn.
(Eine (interne) Sicht hierzu: Nicolaus Ohnewald
versucht wohl schon längere Zeit, hier im Leintal, zuerst in Horn, eine feste
Bleibe für seine Familie einzurichten, einer Familie mit mittlerweile 8
Kindern). Offensichtlich konnte Nikolaus Ohnewald dann in
Heuchlingen das leerstehende alte Mesnerhaus
auf dem Kirchberg erwerben. -- In den Jahren 1709, 1714 u. 1715 meldet
Nikolaus hier im Ort dann weitere 3 Kinder zur Taufe. (Einzelheiten hierzu finden sich auch im Haus 68
- hierüber liegen jedoch keine festen Daten vor) . Nach
der erfolgreichen Niedelassung in Heuchlingen, hat sich Nikolaus Ohnewald in Heuchlingen
dann schnell integriert und etabliert. Schon bald haben Nachkommen des
Nikolaus in *einflussreiche Familien im Ort eingeheiratet (*Kolb/Ilg, das
größte Anwesen im Ort, weiter i.d. Fam. Holl u. Schierle. (*Entsprechend wird hierbei auch angemessene
Mitgift erforderlich gewesen sein) Dies alles zusammen lässt auf eine vorhandene
solide finanzielle Grundlage bei Nikolaus O. schließen. .. Ein kompetenter u. namhaften Krämerhandel in Heuchlingen entsteht – ein *Krämerhandel -- mit rascher Ausbreitung
und Fortentwicklung. So wird der Krämer Nikolaus Ohnewald
schon früh nach seinem Aufzug in Heuchlingen in den
"Heiligen-Rechnungen" mehrfach als Lieferant diverser Waren an die
Pfarrkirche erwähnt. Josef Ohnewald der,
Sohn des Nikolaus, wird beim Bau des neuen Schulhauses in
Schechingen genannt, wo er im größeren Stil, Eisenwaren aus der Eisenhütte in
Abtsgmünd anlieferte. Welcher Art der Eisenwaren es war - Nägel, Stifte o. ä.
geht aus dem Bericht nicht hervor. (Interne - Wertungen: Nikolaus Ohnewald war, nachdem er in Hchl. sesshaft geworden war,
sicher schon ein polyglotter, weitgereister und versierter Händler
und Krämer. Sein früheres Tätigkeitsgebiet umfasste vermutlich das
Gebiet, beginnend am Rhein über den Odenwald, Hohenlohe, Kochertal
und letztendlich auch zu uns ins Leintal. Mit all den Lieferanten
und ihrem Warenangebot in diesem Raum hatte er dabei sicher vielerlei
Kontakte und Geschäfte aufgebaut oder abgewickelt. -- Aber, für Nikolaus
O. könnte nach seiner Einbürgerung in Hchl. sein vermutlich anderer
Dialekt und sein anderes Auftreten ein gewisses Hindernis bedeutet
haben - was zunächst ja auch etwas Argwohn oder Ablehnung gegen Fremdes
hervorgerufen haben könnte.)
. Um die Wende des ersten Jahrzehnts im 19. Jh. (während
der Nopoleonischen) Kriegswirren) kehrt Josef Ohnewald, der Sohn des
Krämers Melchior Ohnewald, von seinem Studium der Theologie und Kirchenmusik in
sein Vaterhaus auf dem Kirchberg Heuchlingen zurück. Um 1812 übernimmt Josef Ohnewald von seinem Vater Melchior (1852-1815) das Krämergeschäft und den Krämerhandel auf dem Kirchbühl. Unter
seiner Ägide entstand infolge nun ein großer und umfassender Krämerhandel
man kann es so sagen, im Vollsortiment. Ein Eintrag im Gewerbekataster der Gemeinde v. 1827 lautete: "Eisen - Specerei - und Ehlenwaren - Händler". (Eisen, Gewürze, Öle, Fette, Kurzwaren, Stoffe, Ballen- u. Meterware, Schuster - Bauer- u. Zimmerererbedarf, Apothekerwaren, Pulver, Patronen, Saiten usw.) . Der ganze Geschäftsumfang zeigt sich dann hervorragend bei der Sichtung des von Josef O. geführten Waren- Ein- und Verkaufbuch Band III. Eine
erste Auswertung für die dort erfassten, lfd. 12 Jahre zeigt sich
so: durchschnittlicher Warenumschlag - 1837 - 1849 = ~ 41. 806 fl. (Gulden) ergeben ~ 3.484 Gulden p. Jahr Josef Ohnewald war mit 3 fl. (Gulden) u. 48 kr. (Kreuzern) Gewerbesteuerabgaben höher veranschlagt, als z.B. der Adlerwirt f. dessen Wirtschaftsbetriebe (ohne Brauerei, Branntwein u. Brennerei). Ein paar Vergleichswerte hierzu: eine Kuh hatte den Wert von etwa 40 -
60 Gulden. Ein Taglöhner verdiente etwa 1/4 - 1/3 Gulden, also 15 - 20
Kreuzer p. Tage, dh. er musste 3 - 4 Tage arbeiten um
1 Gulden zu verdienen. ... Josef Ohnewald - Krämerfamilie auf dem Kirchberg. Josef Ohnewald heiratet 1814 Josefa Kuhn,
die Tochter des "Dittenbauern" ("Dürrenbauer an der Alten Mögglinger
Straße.") -- 1815 stirbt der Vater Melchior Ohnewald.
--- In den Jahren 1814 bis 1819 meldet er 2 Knaben und 3 Mädchen zur Taufe. Der
1814 stirbt der erstgeborene Sohn Hilarius 4 Wochen
nach der Geburt. -- 1820 kommt ein totgeborenes Knäblein
und 1821 ein totgeborenes Mädchen zur Welt. -- Bei dieser Geburt1821
stirbt auch die Mutter und Ehefrau. -- Zurück
bleiben ein Vater mit 4 kleinen Kindern (ein
nur kleiner Lichtblick blieb, die Mutter von Josef O als Stütze i. d. Fam.) .
Bild: Ohnewaldanwesen
zu Ende des 19. Jh. stolz
berichtet Josef O. in seinen Tagebucheinträgen 1822: im Mai wurde meine
Scheune aufgerichtet --- im Juni berichtet er: heute habe ich den ersten
Wagen Heu in die neue Scheune eingefahren. . . Josef
Ohnewald
-
Ein Mann mit großem Wissen - eine wichtige Stütze
in der Gemeinde. In der Ortschronik von Heuchlingen ist hierzu vermerkt: "Ohnewald war ein begabter und federgewandter Mann, dem man seine Studien wohl anmerkt. Als scharfer Beobachter mit sicherem Urteil, wurde er 1817 in seiner Gemeinde als Acciser bestellt. Als
Acciser (Gemeindepfleger)
oblag ihm, unter anderem, auch die Organisation und Versorgung
der Ortsarmen" - (intern: eine unbeliebte und undankbare
Aufgabe, verbunden mit Anfeindungen). Hierbei
beschreibt Josef O. die Verteilung des angelieferten Getreides im Jahr 1817 selber so: "Als
ich mit der Glocke in der Kapelle das Zeichen zur Verteilung gab,
stürzte von allen Seiten die hungrige Bevölkerung mit Säcken zum Verteilungsort
". ---- hierzu interssanter Link Weitere Hinweise zu den Tätigkeiten Josef Ohnewalds in und für die Gemeinde, soll hier nicht weiter
fortgeführt werden. Hierzu aber ein paar Link`: Navigation zum „Ohnewald- Krämerhandel“ - hier insbesonders
auf: „Josef Ohnewald, Bürger u. Krämer“
und weiter auf
„Krämerhandel unter Josef Ohnewald“ - 3 Link`s eine Fundgrube (mit ein paar
Überschneidungen (Wiederh.) ..... Der Krämerhandel auf
dem Kirchbühl unter Josef Ohnewald Hoher Arbeitsaufwand - Arbeitsreicher Alltag. Ein Blick in das oben erwähnte Warenbuch
zeigt sehr gut den Umfang und Menge des Warenumsatzes, des Warentransfers
und somit auch den erforderlichen Aufwand und die Arbeit für dessen
Verwaltung und Vertrieb. Hinzu kommen die täglich erforderlichen
Arbeiten im Feld und Stall der kleinen Landwirtschaft, und dann,
der nicht geringe persönliche Einsatz für die Gemeinde und Kirche,
der Aufbau und die Führung eines Musik-Chores und mehr --- ein Bild des "schier
Unmöglichen"
. Wer waren die Kräfte, welche
dies "schier Unmögliche" möglich machten? Ein
Erklärungsversuch: Die Gruppe der Arbeitskräfte stellte In den
ersten 5 Jahren -1810 - 1815- noch die kpl. Familie
Ohnewald dar, die sich dann 1815 mit dem Tod des Vaters Melchior schmälerte. 1821 dann,wie oben
schon erwähnt, die "Katastrophe". Die Mutter stirbt bei der Geburt
des letzten Kindes. Josef Ohnewald steht allein mit 3 kleinen Kindern mit der
Mutter/ Großmutter! Erst zum Ende der 1820er Jahre zeigten sich die ersten helfende Hände: die
der herangewachsenen 3 Mädchen.
(Int. angemerkt: Knaben und Mädchen verließen in jener Zeit mit 12-
od. 13 Jahren die Schule und wurde danach nicht selten als volle Arbeitskraft
eingesetzt) Bis
hinein in die Mitte der 1830er Jahre wird der Krämer Josef O. dann auch schon die
älteste Tochter Veronika in den Ablauf des Krämergeschaftes
eingewiesen und eingebunden haben. Hier nun taucht dann auch der Name Johannes Metzger erstmals
auf. ..... Johannes Mezger, Schwiegersohn und Geschäftsnachfolger von Josef Ohnewald, Sohn des gleichnamigen Schultheißen Jhs. Mezger, erscheint im Gewerbekataster 1827 - 1870 unter der lfd. Nr. 38, S. 49 für das Jahr 1835: "Johannes Mezger, Händler für Eisen - Spezerei - u. Ehlenwaren. Hierbei ist in Klammer vermerkt ("Ohnewald - *Prinzipal" – Prinzipal eine alte Bezeichng. u. a auch für "Lehrherr") ---- Hierzu eine (nicht gesicherte) These: Johannes Mezger ist im Jahr 1821 gebore n, im Jahr 1835 also bereits 14 Jahre alt. Es kann jetzt stark vermutet und auch angenommen werden, dass Johannes Mezger schon ab dem Jahr 1834 bei Josef Ohnewald zur Lehre ging um das Handwerk eines Kaufmannes zu erlernen. Sicher war Johannes Mezger, später dann auch zusammen mit Ohnewald`s Tochter Veronika, beim Anlegen, Gestaltung - und Führung des genannten umfangrechen Warenbuches beteiligt. Bei
Annahme des hier gesagten, sollte Johannes Mezger nun rund 50 Jahre lang -
zusammen mit Josef Ohnewald u. dessen Tochter Veronika den Krämerhandel auf
dem Kirchberg betreiben. .............................................. Johannes
Mezger - Händler für Eisen - Spezerei - u. Ehlenwaren
auf d. Kirchberg - Standortwechsel Im
August 1854 verkauft
Josef Ohnewald, 73 J. alt (+ Jan. 1856), an seine Tochter
Veronika Ohnewald, ledig, ein 1 stock. Wohnhaus mit einer 2 stock.
Scheuer, ein 1 stockiges Wasch- u. Backhaus, 1
Schweinestall und Hofraum auf dem Kirchbühl. Dabei sind 5/8 Mrg. Gärten b. Haus u. ca. 15 Morgen Wiesen u. Acker an 14 Stck.
Alles zusammen für die Summe von 2.500 fl . An
Fahrnis erhält der Käufer 8 Stck. Vieh und
sämtlich vorhandnes Futter, Frucht und alle Bauerngerätschaften.
Der Käufer übernimmt die verpfändete Passiva in den
hiesigen Unterpfandsbüchern i. Höhe von 200 fl. Der Verkäufer behält sich die Führung des Kaufladens
bis zu seinem Ableben bevor. Der Verkäufer ist mit dem Fuhrwesen
unentgeltlich zu versorgen. . Johannes
Mezger,
Bürger
und Krämer, geb. 1821, heiratet am 12.02.1855 Josef Ohnewald`s Tochter
Veronika, geb. 1816, + 1869. Im Okt. 1855 kommt ihr erster Sohn Alphons zur
Welt. Zusammen mit seiner Ehefrau Veronika führt
Johannes Mezger fortan, nach deren frühen Tod 1869, mit seinem Sohn Alphons bis in die 1880er
Jahre hinein den Krämerhandel auf dem Kirchberg. . Anfang
der 1880er Jahre verkauft Johannes Mezger das Krämeranwesen auf
dem Kirchbühl und erbaut um die Jahre 1883- 1884, zusammen mit seinem Sohn
Alphons, mitten im Ort, an der Hauptstraße, ein neues Kaufhaus. .
. . . . Kaufhaus
Mezger . . . . . Kleine
Chronologie zur Entstehung des "Kaufhaus Mezger"
an der Hauptstraße *1885
gründet Alphons Mezger im *Haus 68 - (heute Neubau gegenüber des kirchl.
Gemeindehs. St. Vitus) rche)
einen Krämerladen. Einige Jahre später baut er an der Hauptstraße
15 ein Kaufhaus und betreibt dieses zusammen mit der Landwirtschaft, Geb.
87/2 *Int. Vermerk hierzu: Aussage ist nur z. Tl. nicht
richtig. Johann Mezger ( 29.9.1821, + 22.3.1889) erbaut um 1883- 1884 zusammen
mit seinem Sohn Alphons an der Ortsstraße ein neues Kaufhaus mit d. Gb. Nr. 114. . Alphons Mezger eröffnet dann 1885 hier an der Hauptstrasse, mitten im Dorfkern, das neue
Krämergeschäft, ein Kaufhaus im Vollsortiment: Stoffe, Kleidung, Wäschen,
Lebensmittel, Eisenwaren, Gerätschften für die
Landwirtschaft und mehr. .
. Der
weitere Geschäftsverlauf Um
1919/ 20
übernimmt Hugo Mezger, Sohn d. Alphons, das Geschäft.
Er gibt 1933 die Landwirtschaft auf. Ab
1950 führt dann
dessen gleichnamiger Sohn den Betrieb. In dessen Ära
wird das Bauernhaus abgebrochen und 1962/63 ein neuer Wohn - und Geschäftsbau
erstellt. 1983 wird die Verkaufsfläche dann auf 300 qm
vergrößert. .
Das
Kaufhaus
"Nah und Gut" v. Ulli Mezger . seinen gesamten Krämermarkt und den Getränkehandel auf.
Am 20. Dez. 2025 gehen die letzten Waren über den Ladentisch. . |
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